Heimatverein Medingen 

Medingen unser Heimatort



A. Die Medinger Schulgeschichte von den Anfängen bis 1755 


Seit der Reformation gab es in Medingen vermutlich Reihenunterricht, d.h. die Kinder hatten jeweils in einer anderen Wohnung der Bauern Schulunterricht.

Der Rittergutsbesitzer war, ebenso wie für die Kirche, auch Collator (Verantwortlicher) der Schule im Ort.

Am 09.03.1602 musste die Superintendentur zu Meißen eine Beschwerde des Adligen Christoff von Loß zum Tausch behandeln. Als Inhaber des Medinger Kirchpatronats musste er feststellen, dass der Pfarrer Lorenz Bartsch altershalber keinen Schulunterricht hält. Zu damaliger Zeit war es üblich, dass der Pfarrer zugleich auch Organist war und auch Schulunterricht hielt. „Er würde die arme Jugend sehr versäumen… Doch die Leute schicken ihre Kinder unfleißig. Diese gehen lieber spielen oder fischen“ schrieb er in seiner Petition. Der Adlige hatte seinen Forstangestellten beauftragt, die Dorfjugend notdürftig donnerstags und sonntags mit dem Katechismus vertraut zu machen. Bei einer Lokalvisitation wurde dann u. a. festgestellt, dass es in Medingen noch keine Schulgeldregeln gab. So wurde festgelegt, dass ab Walpurgis 1602 von jeder Hufe ein Viertel Korn als Schulgeld zu entrichten sei. Ein Lehrer konnte erst 1604 für Medingen gefunden werden. Namentlich ist dieser nicht bekannt.

Johann (Hanßs) Schütze wurde erstmals 1664 und letztmalig 1680 als Schulmeister in Medingen erwähnt.  1695 ist ein Martin Schütze (vermutlich sein Sohn) als Schulmeister genannt.

Nach dem Schocksteuer-Register war die Schule bereits 1667 mit 31 ßo. (Schocke) von einer halben Hufe abgabepflichtig. Demnach muss das Kirchschullehn, welches es als Grundstückseigentümer noch heute gibt, bereits vor 1667 entstanden sein.

Dem Kirchenrechnungsbuch ist zu entnehmen, dass 1669 2 ßo. für den Bau einer neuen Schule ausgegeben wurden, vermutlich ein einfacher Holzbau auf dem Grundstück der heutigen Hauptstraße 2. 1755 war er bereits wieder baufällig und wurde abgetragen.

In den folgenden Jahrzehnten wurden als Schulmeister, Schul-Substitut ober Lehrer benannt:

1715 Georg Friedrich Spiess

1741 Johann Friedrich Mohr

1753 Johann Christian Merkel war der als das neue Schulgebäude gebaut wurde.


1. (massives) Medinger Schulhaus

1916

Hauptstraße 2

Flurstücks.-Nr. 49

Erbaut 1755/56 als Folgebau der ersten Medinger Schule, von 1756 bis 1848 Kirchschulgebäude, danach Wohnhaus

1838 – Brandkataster-Nr. 4

1949 – Hauptstraße 4

1964 – Hauptstraße 14

1999 – Hauptstraße 1

Aus Unterlagen im Kirchenarchiv zum Schulneubau geht hervor, dass 1755 als Einnahmen aus dem Verkauf von alter Schule, vor allen Dingen von Bauholz, Reißholz (so der Abraum von Bauholz), insgesamt ca. 14 Thaler erzielt sowie 35 Thaler Einlagen von der Gemeinde und 60 Thaler von der Kirche eingenommen wurden, so dass 109 Thaler und 13 Groschen zur Verfügung standen. An Ausgaben für den Bau wurden veranschlagt: 143 Thaler, 1 Groschen und 4 Pfennige. Somit mussten noch weitere Spenden eingebracht werden. 1755 bis 1756 wurde das heute noch stehende Gebäude als Schule errichtet. Im Haus hatte der Kirchschullehrer, der gleichzeitig auch Kantor war, seine Wohnung und am Haus einen kleinen Garten.

1840 war das Gebäude bereits wieder stark reparaturbedürftig und zu klein geworden. Da das kleine Grundstück kein größeres Gebäude zuließ, musste an anderer Stelle gebaut werden. Nach der Errichtung des neuen Schulgebäudes gegenüber auf der Hauptstraße 7 wurde das Haus verkauft.

Ernst Schöne war Bierhändler. 1936 wohnte noch seine Witwe, Emilie Schöne, als Rentnerin zusammen mit ihrer Adoptivtochter Frieda Jäschke und deren Mann Paulin dem Haus.

Als Mieter wohnte viele Jahre der Junggeselle Paul Olms im Haus. Er war Gemeindeschreiber und aus seiner Feder stammen die Gemeinderatsaufzeichnungen der zwanziger und dreißiger Jahre.

Paul Jäschke war Röster und fiel im 2. Weltkrieg. Frieda und Paul Jäschke hatten einen gemeinsamen Sohn und nahmen Gisela, geb. Schreier, aus einem Kinderheim als Pflegekind auf. Frieda Jäschke heiratete 1949 den Dachdecker Hellmuth Hackel. Nachdem Frieda Hackel 1975 in ein Altersheim umgezogen war, kauften Konrad und Gisela Behrisch das Haus. 

2013

Eigentümer/Besitzer:

1664 – Kirche zu Medingen

1849 – Johann Gottfried Haase

            1847 Gemeinderat

1892 – Friedrich Ernst Haase

1895 – Carl Ernst Schöne, Bierhändler

1944 – Minna Auguste Emilie Schöne

1946 – Minna Frieda Jäschke

1975 – Gisela und Konrad Behrisch

Bewohner u. a. :

 – Paul Olms, Gemeindeschreiber